Your Ocean Sound – Portrait: Artur Sommerfeld

Christel Clerc

Von Christel Clerc
22.06.2021 | 10 Minuten Lesezeit

Im Frühjahr dieses Jahres riefen wir den Hackathon „Your Ocean Sound“ aus. 130 Audiodateien mit biotischen und abiotischen Meeresgeräuschen inspirierten die Teilnehmenden zu fast 30 Kompositionen. In diesem letzten Beitrag der Serie stellen wir Euch den Teilnehmer Artur Sommerfeld vor.

Artur Sommerfeld (3. Platz) – Singing ice

Artur Sommerfeld - Singing ice

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Lizensiert unter: CC BY-ND | Im Datenportal öffnen

Portrait

Artur empfängt mich digital in seinem Studio in Kreuzberg, und ich bekomme erstmal eine Führung. Mikros, Keyboardtasten, hängende Kabel und viele Gegenstände, die mir fremd sind und die ich nicht benennen kann. Mit seinem elektronischen Klavier kennt er keine Grenzen. Hier vertont er Werbeclips und Filme. Seine Interessen liegen aber vorwiegend in Klanginstallationen & Audioguide-Vertonungen. Seine Expertise setzt er bevorzugt für künstlerische Inhalte ein. Deswegen hat er auch am Your Ocean Sound Hackathon teilgenommen und hierbei den dritten Platz erreicht.

Artur spielt Klavier, seit er 10 ist. Seitdem schätzt er dieses mächtige Instrument als ein Werkzeug, mit welchem er Themen ergründet und sich ausdrückt. Zunächst, getrieben von gesellschaftlichem Druck, etwas „Richtiges“ machen zu müssen, hat er Maschinenbau studiert. Jedoch entscheidet er später, sich der Musik zuzuwenden. Als Quereinsteiger arbeitet er jahrelang als Sounddesigner. Vor ein paar Jahren hat er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Parallel produziert er auch Musik !

Wir wissen alle, wie es sich in einem Wald anhört. Aber ich war überrascht, wie Tiergeräusche unter Wasser klingen – eine komplett neue Welt eröffnet sich. Robben klingen wie Aliens. Ihre Geräusche haben etwas Außerirdisches!

—Artur Sommerfeld

© Miriam Ewering
© Miriam Ewering

Artur, erzähl uns mehr über Deine eingereichte Komposition.

Interessiert haben mich zuerst die Klänge der riesigen Artenvielfalt und ihre eigenartigen Sounds. Dann ist mir aufgefallen, dass ich es mit zwei verschiedenen menschenverursachten Lärmquellen zu tun hatte: direkte und indirekte. In meiner Komposition „Singing ice“ begegnen sich Klänge aus beiden Quellen. Mit direktem Lärm meine ich beispielsweise Motorgeräusche von Schiffen oder Sirenen, während die Geräusche von brechendem und kollabierendem Eis infolge der anthropogen verursachten globalen Erwärmung entstehen. In meiner Komposition lag es mir am Herzen, den Ernst der Lage zu vermitteln. Im Grunde habe ich das Lied dystopisch und alarmierend gestaltet. Die Sirenen erinnern an eine Kriegsszene.

Die Kernbotschaft in meinem Lied ist die ernsthafte Lage und dass unser vom Menschen verursachter Lärm die Tiere negativ beeinflusst. Dabei spielt die Narrative wie in allen meinen Kompositionen immer eine zentrale Rolle. Mit Soundstorytelling kann man unglaublich viel transportieren.

Wie war Deine Erfahrung mit dem Hackathon? Was hat Dir daran besonders gefallen und was nicht?

Ich fand das Konzept sehr schön, durch eine musikalische Auseinandersetzung mit den Tierstimmen die Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft zu schlagen. Forscher*innen sehen diese technischen Aufnahmen ganz anders. Ich denke, dass es für sie spannend ist, wie daraus Musik komponiert werden kann. Als Künstler*in hat man ganz andere Assoziationen und sieht in diesen Aufnahmen etwas Anderes. Die Organisation des Hackathons war top und das Mediasphere-Team freundlich!

Das Datenportal fand ich einfach zu nutzen. Besonders gefallen hat mir die Standortfunktionalität, die auf den Ort der Aufnahme hinweist. Ich hätte mir eine Funktionalität gewünscht, die das Herunterladen von mehreren Sounds auf einmal ermöglicht. Das würde etwas Zeit sparen.

Welche Klänge würdest Du gerne im Datenportal haben?

Generell wünsche ich mir im Datenportal Aufnahmen anderer Tierarten und nicht nur Unterwassertiere. Bisher habe ich noch von keiner freizugänglichen auf Tiergeräusche spezialisierten Datenbank gehört. Doch in meiner Praxis als Sounddesigner nutze ich öfter Tierklänge, wenn ich Filme oder Videos vertone. Wenn ich in der Zukunft nach Tiergeräuschen suchen müsste, würde ich relativ intuitiv ans Museum für Naturkunde denken! Thematisch passt es.

Das Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin ist weltweit eine der ältesten und umfangreichsten Sammlungen von Tierstimmen, welche teilweise auch über das Datenportal abrufbar sind.

Warum hast Du dich für die Teilnahme entschieden?

Wegen der Thematik. Mein Herz schlägt für die Naturwissenschaft! Auch weil ich gerne musikalisch mit den Tiergeräuschen experimentieren und mir eine Herausforderung stellen wollte.

Was hat Dich besonders an den Unterwassergeräuschen gereizt?

Vor allem fand ich spannend, Geräusche zu entdecken, die wir im Alltag nicht wahrnehmen. Wir wissen alle, wie es sich in einem Wald anhört. Diese Erfahrung können wir leicht selbst machen. Aber ich war überrascht, wie Tiergeräusche unter Wasser klingen – eine komplett neue Welt eröffnet sich. Robben klingen wie Aliens. Ihre Geräusche haben etwas Außerirdisches! Wir, Menschen, haben wenig Bewusstsein für die Meeresklänge. Diese Welt möchte ich weiter ergründen.

Würdest Du an einem weiteren Musik-Hackathon teilnehmen?

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich in die enge Auswahl gelangt bin und bin gerne wieder dabei!

In dieser Serie haben wir einige Teilnehmende des Hackathons zu Wort kommen lassen und auf verschiedenen Ebenen zugehört. Dem Mediasphere-Team ist es wichtig, zu neuen Narrativen mit den sammlungsbezogenen Medien zu inspirieren und wissensbasierte Gespräche um gegenwärtige Themen anzuregen. Durch den Musik-Hackathon haben wir vielfältige Perspektiven auf Unterwasserlärm kennengelernt. Mit dem neuen Music Player des Datenportals, den wir Euch im nächsten Blogbeitrag vorstellen werden, könnt Ihr alle Aufnahmen nochmal gesammelt ergründen.