Naturkunde 365/24 geht zu Ende, Mediasphere For Nature bleibt

Nadja Heinisch

Von Nadja Heinisch
27.02.2020 | 6 Minuten Lesezeit

Nach über drei Jahren Laufzeit endet das vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Land Berlin finanzierte Projekt „Naturkunde 365/24“. Durch diese Förderung wurde die Mediasphere For Nature als DAS mediale Applikationslabor am Museum für Naturkunde Berlin aufgebaut.

Impression von der Finnisage im Sauriersaal. Foto: Hwa Ja-Götz

Impression von der Finnisage im Sauriersaal. Foto: Hwa Ja-Götz

Auftrag der Mediasphere For Nature wird es aber auch weiterhin sein, hochqualitative naturwissenschaftliche digitale Medien aus der wissenschaftlichen Sammlung des Museums für Interessensgruppen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Kreativindustrie und Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Dabei werden neue Forschungsfragen aufgedeckt, Start-ups gefördert und das naturhistorische Erbe des Museums an die breite Öffentlichkeit vermittelt.

Wir blicken zurück auf drei erfolgreiche Jahre mit zahlreichen Kooperationen und einem stetig wachsenden Netzwerk an kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) aus der Medien- und Kreativindustrie sowie der Bildungsbranche. Vielfältige Veranstaltungsformate wurden im Rahmen der Projektförderung entwickelt und innovative Produktentwicklungen ermöglicht. Über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seitens des Museums waren Teil des Projekts und über 200 Netzwerkpartnerinnen und -partner haben mit Begeisterung mitgewirkt.

Zu unseren Veranstaltungshighlights zählen unter anderem die etablierte Netzwerkreihe „Mediasphere Meetups“, der Innovationsworkshop „FLORA FAUNA FUTURE“ in Kooperation mit dem Fiction Forum des Kompetenzzentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft, Vernetzungsevents der Bionikindustrie in Kooperation mit BIOKON und EVOCO sowie die Teilnahme an mehreren Coding da Vinci Hackathons. Die Veranstaltungen dienten dem Austausch über kreative Ideen für innovative Produkte und Dienstleistungen, der Vernetzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Kreativ- und Kulturschaffenden sowie der Präsentation von neuen Anwendungsentwicklungen und Produkten.

2 von 4 Gruppen beim Innovationsworkshop FLORA FAUNA FUTURE. Foto: Mina Gerngross

2 von 4 Gruppen beim Innovationsworkshop FLORA FAUNA FUTURE. Foto: Mina Gerngross

Im Rahmen der jährlich stattfindenden Coding da Vinci Hackathons kam es gleich zu mehreren kreativen Prototyp-Ideen, die mit Datensätzen des Museums für Naturkunde Berlin umgesetzt werden konnten. So zum Beispiel das Prachtkäfer-Poster vom Designer Michael Scheuerl, das aus hochauflösenden Scans von Insektenkästen des Museums entstand und im Museumshop erhältlich ist.

Michael Scheuerl präsentiert einen Insektenkasten und sein Poster. Foto: Hwa Ja-Götz

Michael Scheuerl präsentiert einen Insektenkasten und sein Poster. Foto: Hwa Ja-Götz

Ein anderes erfolgreiches Projekt, das seinen Ursprung in Coding da Vinci hatte, ist die App „SnailSnap“, die im vergangenen Jahr als Exponat auf der MS Wissenschaft zum Thema Künstliche Intelligenz durch Deutschland und Österreich reiste und dort im Selfie-Stil Wissen über die Schnecken der wissenschaftlichen Sammlung des Museums verbreitete.

Einige der Prototypen wurden dem Museumspublikum jährlich auf der Langen Nacht der Museen vorgestellt, so wie zum Beispiel der Multitouch-Scanner-Tisch von Garamantis, der einen individuell gestalteten T-Rex als 3D-Modell über den Tisch laufen ließ. Es erreichten uns zudem immer wieder Anfragen zu gezielten Objekten des Museums, etwa zu einer Schleiereule, die von Distant Relative als 3D-Modell für „MONOH – With Attitude“, einem Musikvideo zu Mensch und Natur, digitalisiert wurde.

Unser Videostar. Foto: Hwa Ja-Götz

Unser Videostar. Foto: Hwa Ja-Götz

Ein weiteres Projekt war das Krokodil zum Anfassen von werk5. Hier wurde ein Krokodil digitalisiert und im Nachgang ein interaktives und barrierefreies Tast-Modell gebaut. Die wissenschaftliche Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums für Naturkunde war dabei immer ein wichtiger Bestandteil unserer Projekte und für viele Kooperationspartner ein Gewinn.

Die Taststation von werk5 wird ausprobiert. Foto: Hwa Ja-Götz

Die Taststation von werk5 wird ausprobiert. Foto: Hwa Ja-Götz

Häufig wurden auch Aufnahmen aus dem Tierstimmenarchiv des Museums für Projekte verwendet, so etwa für die „Caveman-VR“ von TRIAD Berlin, mit der man in eine archaische Urzeitumgebung versetzt wird, für die Vogelfinder-App von NEEEU, die eine interaktive Führung durch den historischen Vogelsaal ermöglicht, und für die virtuelle Installation „Inside Tumucumaque“ von der Interactive Media Foundation, Filmtank und Artificial Rome mit der man Tiere und ihre Sinneswahrnehmung im Amazonas Regenwald hautnah erleben kann.

Als integrierter Bestandteil der Forschung und Forschungsinfrastruktur wird die Mediasphere For Nature als mediales Applikationslabor der Leibniz-Gemeinschaft auch zukünftig die Öffnung des Museums für Naturkunde Berlin für die unterschiedlichen Stakeholdergruppen unterstützen. Kooperationen und Projekte mit KMU Partnern werden weiterhin durchgeführt, und unsere Veranstaltungen, wie z.B. die Netzwerkreihe „Mediasphere Meetups“, bieten auch zukünftig eine sehr gute Möglichkeit zur Vernetzung.