Mediasphere mit Partner IMF auf dem ersten GSRM

Ricarda Probst

Von Ricarda Probst
17.12.2018 | 15 Minuten Lesezeit

Vom 4. bis zum 6. November 2018 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter weltweit bedeutender, forschender Museen im Museum für Naturkunde in Berlin zum ersten Global Summit for Research Museums um sich über die Zukunft von Forschungsmuseen auszutauschen.

Das Gipfeltreffen wurde am 4. November mit einer Rede der Staatsministerin für internationale Kulturpolitik Michelle Müntefering in den Räumen der Leibniz Gemeinschaft eröffnet, in der sie die Bedeutsamkeit solch einer Initiative betonte.

Eröffnungsrede durch Staatsministerin Michelle Müntefering | Foto: Christoph Herbort-von Loeper

Eröffnungsrede durch Staatsministerin Michelle Müntefering | Foto: Christoph Herbort-von Loeper

Bei der Eröffnungsveranstaltung hatten die acht Leibniz-Forschungsmuseen die Gelegenheit gemeinsam mit ihren Teams Kernprojekte zu präsentieren. Für das Museum für Naturkunde Berlin stellten wir vom Mediasphere Team zusammen mit unserem Kooperationspartner Interactive Media Foundation die VR-Experience „Inside Tumucumaque“ vor.

In dieser Anwendung findet sich der Benutzer auf einer Lichtung wieder, die dem Amazonasgebiet Tumucumaque nachempfunden wurde. Mittels der Auswahlfunktion ist es dem Benutzer möglich die Umgebung aus der Perspektive der dort heimischen Tiere zu erkunden. Dabei verändert sich die simulierte Wahrnehmung, sodass der Benutzer den Amazonas durch die Sinne des Tieres wahrnimmt. Zur Auswahl stehen ein Kaiman, eine Harpyie, eine Vampirfledermaus und ein Pfeilgiftfrosch. Während der Benutzer im Körper des Kaimans mit einer Interpretation der Farb-Nachtsicht durch das Wasser gleitet und sogar untertauchen kann, fliegt er im Körper der Harpyie über den Baumgipfeln von Tumucumaque und nimmt seine Umgebung in Superzeitlupe wahr. Obwohl sich die dargestellten Sinnesmodalitäten in der Realität unserer Wahrnehmung entziehen, wurden diese in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Museums für Naturkunde in ein für das menschliche Wahrnehmungssystem erfahrbares Erlebnis interpretiert. Für Originalsounds reiste ein Team der IMF selbst in den Amazonas, um Material für die binaurale Soundgestaltung zu sammeln. Zusammen mit Aufnahmen des Tierstimmenarchivs des Museums für Naturkunde ergeben diese ein authentisches, räumliches Klangbild dieser einzigartigen Umgebung.

Staatsministerin Michelle Müntefering probiert Inside Tumucumaque aus | Foto: Christoph Herbort-von Loeper

Staatsministerin Michelle Müntefering probiert Inside Tumucumaque aus | Foto: Christoph Herbort-von Loeper

Tumucumaque gehört zu dem größten Regenwaldschutzgebiet im Nordosten Brasiliens. Forscher vermuten, dass dort noch bisher unbekannte Spezies beheimatet sind. Daher ist es besonders wichtig diesen Teil des Regenwaldes vor illegalen Holzfällern, Bergleuten und Menschen die nach Bodenschätzen suchen zu schützen. Die Virtual Reality-Experience möchte zum einen wissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln aber auch auf den bedrohten Lebensraum mit seinen unzähligen Lebewesen aufmerksam machen.

Artensterben in der Pflanzen- und Tierwelt und Klimawandel waren während der Konferenz wichtige Themenfelder, die immer wieder zur Sprache kamen. Außerdem ging es in der Konferenz um die Provenienzforschung und die Digitalisierung der Museen. Durch die Möglichkeiten der Neuen Medien, haben sich die Erwartungen und Bedürfnisse der Museumsbesucher geändert. Museen sind daher bemüht, ihre Angebote offener und attraktiver zu gestalten und zunehmend neue technische Interaktionsmöglichkeiten in ihre Ausstellungen zu integrieren. Die Digitalisierung der Sammlung trägt im Wesentlichen dazu bei, das kulturelle Erbe für die nächsten Generationen zu bewahren und die internationale Forschung an den Sammlungen zu vereinfachen. In einem Interview mit dem Tagesspiegel sagt Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Die Digitalisierung ist inzwischen eine Kernaufgabe für Museen“.


Aktualisierung vom 25.01.19: Bilder aktualisiert und Einleitung überarbeitet, weitere Links gesetzt Aktualisierung vom 20.06.19: Toten Link entfernt